Leseforum Schweiz. Literalität in Forschung und Praxis

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Wer hat, dem wird gegeben? Individuelle sowie soziodemografische Merkmale und ihre Bedeutung für den Matthäus-Effekt im Leseverstehen

aus der Nr. 2023 | 2 zum Thema «Literalität und nachhaltige Entwicklung»

Maik Philipp

Der Ausdruck «Matthäus-Effekt» geht auf die biblische Stelle zurück, nach der Arme ärmer und Reiche reicher werden. Stanovich (1986) hat dieses Muster für das Lesen adaptiert und postuliert, dass schwach Lesende schwach bleiben und gute Leser sich stetig verbessern. Das Ergebnis ist ein Schereneffekt. Selbst wenn dies zunächst überzeigend scheint, fehlt es an Studien, die die Existenz des Matthäus-Effekts zweifelsfrei belegen. In diesem Überblick werden deshalb Untersuchungen zum Matthäus-Effekt in zwei Teilen gesichtet. Der erste Teil geht Effekten einzelner soziodemografischer und individueller Variablen nach. Dabei zeigt sich, dass der sozioökonomische Status (SÖS) ein wichtiger Prädiktor der differenziellen Leseent-wicklung ist. Umgekehrt ist die frühere Lesefähigkeit kein guter Prädiktor des Wachstums. Im zweiten Teil wird demonstriert, dass es für die Leseentwicklung riskante Kombinationen soziodemografischer Variablen gibt. Hierbei handelt es sich etwa die Verbindung von geringem SÖS, dem männlichen Geschlecht und zum Teil der Ethnie. Diese Ergebnisse stehen in Kontrast zum ursprünglich auf differenziell ausgebildete Fähigkeiten zurückgeführten Matthäus-Effekt. Die sich daraus ergebenden Implikationen werden diskutiert.

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