Wenn man sich den Lebenslauf als Form aus zwei Seiten vorstellt, einer bürokratischen Seite «Karriere» und einer literarischen Seite «Biographie», dann distanziert Lesen zwar in beiden Fällen von einer unmittelbaren Umgebung, aber es löst sich nie aus der Realität. Das gilt auch für den Fall des literarischen Spiels mit der Fiktion. Wie dieses Spiel in den Lebenslauf mit seinen beiden Seiten verwickelt wird, möchte mein Beitrag an drei Beispielen zeigen. In schulischen Kampfgeschichten streiten Jugendliche um Erzählrechte, wer was wem über wen sagen darf — streng kontrastiert gegen die ideale Zuhörerschaft eines privaten Tagebuchs, dem Urmedium einer eigenen Lebensgeschichte. Im zweiten Beispiel erlaubt Goethe seinem Helden, Wilhelm Meister, die perfekte Selbsterzählung, aber er lässt deren Heldin und Zuhörerin, die geliebte Mariane, dabei einschlafen. Warum nur? Zum Schluss spielt Graffiti ein Spiel mit dem Stadtleben, in dem Buchstaben nicht nur zu lesen, sondern auch zu sehen sind.
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