Leseforum Schweiz. Literalität in Forschung und Praxis

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Förderung von früher Literalität auf der Schuleingangsstufe

Der Verein Leseforum Schweiz präsentiert unter dem Namen leseforum.ch eine neue online-Plattform für Literalität. Die Website richtet sich an Fachpersonen, die sich in Forschung und Praxis mit Literalität befassen, sowie an die interessierte Öffentlichkeit. Das Angebot umfasst neben einschlägigen Informationen zu Veranstaltungen, Projekten, Fachliteratur und Weiterbildungen auch eine Datenbank mit derzeit rund 600 frei zugänglichen Fachartikeln. Zudem gibt die Fachredaktion von leseforum.ch vierteljährlich eine thematische Nummer mit Erstpublikationen ausgewählter ExpertInnen heraus. Die Redaktion nimmt gerne weitere Artikel zu anderen Themen entgegen und veröffentlich geeignete Beiträge auf leseforum.ch. Mehr

  • Der Artikel analysiert eine ritualisierte Form der vorschulischen Sprachförderung (atelier de langage), die während eines ganzen Schuljahres beobachtet wurde und sich um eine Marionette drehte, die jedes Kind abwechslungsweise mit nach Hause nehmen durfte.
    Durch die Flexibilität der Anlage erwies sich diese Form als günstig für die vielfältige sprachliche Interventionen und reichhaltige sprachliche Aktivitäten rund um ein attraktives Objekt, das  den Kindern die Auseinandersetzung mit den Dimensionen allgemein–spezifisch sowie präsent–abwesend ermöglichte. Die Entwicklung der Interaktionsmuster im Verlauf des Schuljahres zeigt die Vielfalt der Diskursbewegungen zwischen Kindern und Erwachsenen beim Besprechen eines Themas. Diese Bewegungen bieten den Kindern die Erfahrung von diskursiver Heterogenität. Diese nicht als Gegenstand vermittelbare Heterogenität ist Grundlage eines komplexen, über den korrekten Gebrauch von Wörtern und Grammatik hinausgehenden Handelns mit Sprache. Sie beruht auf der Variation des Diskursmodus und auf der Fähigkeit, verschiedene Perspektiven auf ein und dasselbe Objekt im Dialog aufeinander zu beziehen.
    Aufgrund der Analyse dieser Dialoge stellt sich die Frage nach den möglichen Auswirkungen des mündlich erworbenen Sprachverhaltens auf den Schriftspracherwerb. Die Beziehung zwischen diesen beiden Bereichen der Sprachfähigkeit wird nicht im Hinblick auf unterschiedliche «Codes» oder Situationen betrachtet, die durch die Gleichzeitigkeit der Mündlichen bzw. durch die zeitliche Versetzung der schriftlichen  Kommunikation bedingt sind. Stattdessen werden Überlappungsbereiche von Mündlichkeit und Schriftlichkeit ausgeleuchtet, und es wird die Notwendigkeit herausgestellt, den Besonderheiten jedes Mediums gerecht zu werden.

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  • In den kommenden Jahren wird voraussichtlich eine stärker formalisierte Sprach- und Schriftförderung bereits in den ersten Bildungsjahren bzw. im Kindergarten einsetzen. Für eine frühe Förderung der Lese- und Schreibentwicklung fehlen allerdings noch fachdidaktische Standards. Hier setzt das im Folgenden dargestellte Forschungsprojekt des Zentrums Lesen der Pädagogischen Hochschule FHNW an. Erkenntnisinteressen sind eine fachdidaktische Bestandsaufnahme zur Unterrichtspraxis, zur Entwicklung literaler Aktivitäten und Motivationen sowie eventuelle Bezüge zwischen literalen Entwicklungen und spezifischen sozialen und unterrichtlichen Bedingungen. Das Forschungsprojekt untersucht in einer Längsschnittstudie 154 Schülerinnen und Schüler aus Grund- und Basisstufenklassen der Kantone Luzern, Zürich und Aargau. Mithilfe quantitativer Erhebungsinstrumente (Interviews, Lesetests, Intelligenztest) werden Lesekompetenzen, literale Aktivitäten und Motivationen, literales Selbstkonzept und Unterrichtserleben der Kinder nachgezeichnet. Ein Logbuch, welches Lehrpersonen zum Unterricht führen, gibt Einblicke in die Unterrichtspraxis. Mit 20 Kindern, die sich literal besonders aktiv zeigen, werden weitere Interviews sowie ein Textverstehenstest durchgeführt, ergänzt durch Interviews mit ihren Eltern und Lehrpersonen. Derzeit liegen erste Ergebnisse zu den Leseleistungen der Kinder vor: Es zeigt sich, dass innerhalb der einzelnen Bildungsjahre die Leseleistung erheblich streut. Während zwischen der Leseleistung und dem Bildungsjahr der Kinder ein signifikanter Zusammenhang nachgewiesen werden konnte, zeigt sich in der Projektstichprobe kein statistisch auffälliger Zusammenhang zwischen Leseleistung und weiteren Variablen (Medienvorlieben, literale Sozialisationsbedingungen, literales Selbstkonzept u. a.). Dies könnte ein Hin-weis auf die soziale Homogenisierung sein, die von der früheren Einschulung erhofft wird. Genauere Angaben werden jedoch erst im Längsschnitt möglich sein.

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