Leseforum Schweiz. Literalität in Forschung und Praxis

Archiv


Formative und summative Beurteilung von Literalität

Inzwischen gibt es in vielen Ländern Referenzrahmen für das Lehren und Lernen, die auf den Erwerb von Fähigkeiten bzw. Kompetenzen ausgerichtet sind. In der Schweiz gilt dies sowohl für den Lehrplan 21 als auch den Plan d'études romand (PER) oder den Piano di Studio. Ein gemeinsames vorrangiges Ziel ist es, Schüler*innen in ihrer mündlichen und schriftlichen Sprachhandlungskompetenz zu fördern. Um zu eruieren, ob und inwieweit die Lerner*innen diese Ziele erreichen, kommen unterschiedliche Beurteilungsformate zur Anwendung. Zu verschiedenen Zeitpunkten in Lehr-/Lernprozessen werden also Beurteilungs- (und Bewertungs-)verfahren eingesetzt.  Mehr

  • Damit die Lesekompetenz überprüft werden kann, bedarf es Aufgaben, die das Verstehen von Texten sichtbar machen. In diesem Artikel liegt der Fokus auf diagnostischen Leseaufgaben, die dazu dienen, die Lesekompetenz zu erfassen und zu ermitteln, ob Schüler und Schülerinnen die Lern- und Bildungsziele erreichen. Er bietet einen Überblick aus deutschdidaktischer Warte zur Lesekompetenzbeurteilung mithilfe der digitalen Aufgabendatenbank «Mindsteps» sowie der nationalen «Überprüfung des Erreichens der Grundkompetenzen» (kurz «ÜGK»). Die beiden Überprüfungen der Lesekompetenz werden unter drei verschiedenen Perspektiven diskutiert: (1) Unter systemischer Perspektive werden die beiden Beurteilungsinstrumente im schweizerischen Bildungssystem verortet; (2) unter funktionaler Perspektive wird aufgezeigt, inwiefern sie formative und summative Beurteilungen ermöglichen und (3) unter curricularer Perspektive werden Mindsteps und die ÜGK in Beziehung zu den überprüften und überprüfbaren Kompetenzzielen gesetzt. Eine exemplarische Aufgabe aus Mindsteps illustriert Möglichkeiten und Einschränkungen von tablet- und computerbasierten Leseaufgaben. Der Artikel richtet sich an Deutschdidaktiker*innen, Mitarbeitende in der Bildungsplanung sowie interessierte Lehrpersonen und beleuchtet die Entwicklung kompetenzorientierter Aufgaben für Mindsteps und die ÜGK.

    Weiterlesen im PDF (DE)
    Zur Detailseite des Artikels
  • Die zunehmende Heterogenität der SchülerInnen geht mit der Herausforderung für Lehrkräfte einher, die unterschiedlichen Lernausgangslagen zu diagnostizieren und die schulische Förderung entsprechend differenziert zu gestalten. Der vorliegende Beitrag stellt mit der Lernverlaufsdiagnostik quop sowie dem Förderprogramm Der Lese-Sportler ein Konzept vor, das die zentralen Bausteine formativen Assessments – Diagnostik, Feedback und Förderung – auf Basis wissenschaftlicher Befunde in kohärenter Weise vereint. Umfassende Forschungsbefunde belegen die psychometrische Güte der Lernverlaufsdiagnostik und zeigen höhere Lernentwicklungen für Klassen, in denen Lehrkräfte die Lernverlaufsdiagnostik nutzen. Die erfolgreiche Implementation einer differenzierten Leseförderung sowie regelmässiger Feedbackgespräche erscheint hingegen herausfordernder für Lehrkräfte. Mögliche Ansatzpunkte zur gelungenen Implementation formativen Assessments in den schulischen Alltag werden auf Basis aktueller Forschungsbefunde vorgestellt und diskutiert.

    Weiterlesen im PDF (DE)
    Zur Detailseite des Artikels
  • Der Beitrag stellt eingangs die Bedeutung der Handschrift als Grundfertigkeit des Schreibens dar und gewährt einen Überblick zum State of the Art der Handschriftforschung entlang der beiden Hauptkriterien Leserlichkeit und Geläufigkeit. Am Beispiel der Studien von Hurschler Lichtsteiner, Saxer und Wicki (2008 und 2009), die im Zusammenhang mit der Deutschschweizer Handschriftreform durchgeführt wurden, kann aufgezeigt werden, dass diese beiden Komponenten nicht notwendigerweise zusammenhängen. 
    Die Handschriftbeurteilung in der Forschung hat nicht nur Methoden, sondern auch Wissen hervorgebracht, wie Handschrift förderorientiert beurteilt werden kann: Zunächst werden Verfahren zur Beurteilung der Leserlichkeit erläutert, danach Methoden zur Untersuchung der Geläufigkeit diskutiert. Letztere umfassen ein breites Spektrum von prozess- und produktorientierten Verfahren, so etwa die digitale Handschriftanalyse zur Messung der Automatisierung, die Papier-Bleistift-basierte Geläufigkeitsmessung sowie die direkte Beobachtung des Schreibvorgangs. Über eine strukturierte Beobachtung ergeben sich für die Lehrperson wichtige Hinweise für passende Förderimpulse, insbesondere bei Handschriftschwierigkeiten. Schliesslich wird gezeigt, wie die Integration beider Kriterien – also der Lernstand in Bezug auf die Entwicklung einer leserlichen und geläufigen persönlichen Handschrift – untersucht werden kann, um konkrete Fördervorschläge für verschiedene Leistungsgruppen zu definieren. 
    Damit der Handschriftunterricht erfolgreich ist, sollen zudem Elemente der Selbstbeurteilung und der Beurteilung durch Peers eingesetzt werden. Hierzu werden Konzeptionen für zwei Praxisbeispiele erläutert. Der Artikel schliesst mit Überlegungen zum Fähigkeitsselbstkonzept von Schreibnoviz*innen und zur möglichen präventiven Wirkung, indem den Schüler*innen Selbstwirksamkeitserlebnisse ermöglicht werden durch eine differenzierende Handschriftbeurteilung.

    Weiterlesen im PDF (DE)
    Zur Detailseite des Artikels
  • Schulen sind aktuell zunehmend mit Schüler*innen mit Fluchtbiografien konfrontiert, die keine der Landessprachen sprechen und dennoch adäquat eingeschult werden müssen. Damit Kinder und Jugendliche einen Unterricht erhalten, der ihrem Können und ihrer Schulerfahrung entspricht, ist es nötig, Einblick in ihre literalen Fähigkeiten und ihr schulisches Erfahrungswissen zu erhalten. Da die Schüler*innen ihre Kompetenzen und ihr Wissen noch nicht auf Deutsch sichtbar machen können, müssen diese in den jeweiligen Erstsprachen eruiert werden. Zu diesem Zweck steht ein an der PH FHNW entwickeltes Instrument zur Ermittlung schulsprachlicher Kompetenzen in der Erstsprache (ESKE) online zur freien Verfügung. Der vorliegende Beitrag zeichnet die Problematik der Einschulung von Kindern und Jugendlichen mit Fluchtbiografien nach und erläutert, wie mit ESKE ein Instrument konzipiert wurde, das Einschulungsinstanzen in dieser Problematik unterstützt.
    In Kapitel 1 wird ESKE präsentiert sowie der Bezug zum Lehrplan 21 dargelegt. Eine Aufgabe aus dem Instrument zeigt exemplarisch, wie eine sprachliche Brücke zwischen den jeweiligen Schüler*innen und den Lehrpersonen aufgebaut werden kann. Kapitel 2 thematisiert die Bedürfnisse der Lehr- und Fachpersonen in unterschiedlichen Kantonen und Schulen. Mit Blick auf ähnliche Instrumente aus anderen Staaten (Kapitel 3) und unter Berücksichtigung der noch spärlichen Forschung dazu (Kapitel 4) wird die Konzeption des Instruments ESKE in Kapitel 5 skizziert. Kapitel 6 befasst sich mit der Konzeption der Aufgaben, wobei v.a. die Herausforderungen mit verschiedenen Kulturen, Sprachen und Schriften fokussiert werden. Ein Fazit mit Ausblick auf die Weiterentwicklung von ESKE rundet in Kapitel 7 den Artikel ab.

    Weiterlesen im PDF (DE)
    Zur Detailseite des Artikels
  • Nicht nur für den schulischen Kontext, sondern auch für das Berufsleben stellt das selbstregulierte Lesen eine Schlüsselkompetenz dar. Deutschlehrkräfte spielen eine entscheidende Rolle, inwieweit Lernende im Verlauf ihrer Schulzeit die Fähigkeit zum selbstregulierten Lesen erwerben. Jedoch ist die Umsetzung von evidenzbasierten Prinzipien einer gelingenden Vermittlung von selbstreguliertem Lesen in die Unterrichtspraxis eine Herausforderung für Lehrkräfte. Sie weisen Unsicherheiten in der Vermittlung auf und wünschen sich Hilfestellung. Der vorliegende Beitrag setzt an diesem Punkt an, indem anhand von beispielhaftem Deutschunterricht in einer fünften Klasse beschrieben wird, wie selbstreguliertes Lesen vermittelt werden kann. In einer Fallanalyse zeigt sich, dass die Lehrperson vielen Prinzipien einer gelingenden Vermittlung von selbstreguliertem Lesen gerecht wird und im Vergleich mit anderen Unterrichtsstunden Besonderheiten, aber auch Gemeinsamkeiten sichtbar werden. Die Analyse verdeutlicht ferner, dass die theoretischen Vermittlungsprinzipien durchaus mit dem Handeln im Regelunterricht vereinbar sind, dass es aber auch Optimierungspotenzial gibt.

    Weiterlesen im PDF (DE)
    Zur Detailseite des Artikels